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Eine Person läuft im Abendlicht auf einem Sandstrand Spuren hinterlassend auf das Wasser zu

Neue Wege gehen in der Psychotherapie

LSD, Psilocybin, DMT oder MDMA – das klingt nach Drogen, Rausch und Risiko. Doch in der Medizin hat sich der Blick auf psychoaktive Substanzen verändert: In der Schweiz werden Psychedelika eifrig erforscht und in Ausnahmefällen sogar therapeutisch eingesetzt – oft dort, wo konventionelle Methoden an ihre Grenzen stossen. Können Psychedelika einen Beitrag zu einer ganzheitlichen Medizin leisten?

  • Mit Psychedelika werden Patientinnen und Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen, Depressionen oder Angststörungen therapiert
  • Die Behandlung mit LSD und Co. wird immer mit Psychotherapie verbunden
  • Bei multifaktoriellen Erkrankungen kann ein integrativer Ansatz entscheidend sein, das zeigen auch die Therapierfolge der Komplementärmedizin

von Andreas Krebs

An allen Universitätsspitälern wird geforscht

In der Medizin neue Wege gehen, verschiedene Ansätze zusammenführen – darin ist die Komplementärmedizin erfahren. Aber auch aus anderen Fachbereichen kommen spannende Beiträge zu einer integrativen, ganzheitlichen Medizin. So wird in der Schweiz eifrig zum medizinischen Nutzen von psychoaktiven Substanzen geforscht – und zwar an jedem der fünf Universitätsspitäler.

Das Ziel der Forschung mit LSD, Psilocybin oder DMT ist es, neue Behandlungswege für schwere psychische Erkrankungen zu finden, vor allem für Depressionen, Angst- und Traumafolgestörungen. Auch bei Suchterkrankungen sind die Erfahrungen vielversprechend. Und aufgrund der Wirkung dieser Substanzen auf die Neuroplastizität besteht auch Hoffnung bei Demenz und Co. Die Forschung bewegt sich damit in einem Feld, das auch die Komplementärmedizin kennt: Oft schwer fassbare, multifaktorielle Erkrankungen, bei denen ein integrativer Ansatz entscheidend sein kann.

Parallel zur Forschung gibt es eine klinische Praxis: die sogenannte psychedelika-assistierte Therapie PAT. Ende 2024 verfügten in der Schweiz rund 90 Ärztinnen und Ärzte über eine Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit BAG für diese Therapieform. «Wir werden von Patientenanfragen überrannt», sagt der Berner Internist und Psychotherapeut Markus Baumann. Die Therapie wird nur bewilligt, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind: Die Erkrankung ist schwer, andere Therapien sind ausgeschöpft, und es besteht die begründete Hoffnung auf Linderung.

«Psychedelika betäuben nicht. Sie öffnen»

Was macht LSD und Co. für die Therapie interessant? «Psychedelika betäuben nicht. Sie öffnen», sagt Prof. Daniele Zullino, Chefarzt der Suchtklinik am Universitätsspital Genf. «Der Vorteil dieser Substanzen ist, dass sie den Patientinnen und Patienten oft viel schneller Zugang zu zentralen Themen ermöglichen.» Gefühle, Erinnerungen und innere Bilder könnten unter Einfluss der Substanzen intensiv erlebt werden.

Deshalb sei auch die Psychotherapie zentraler und zwingender Teil der Behandlung, sagt Daniele Zullino. Eine Sitzung könne schon mal zehn Stunden dauern. «Weil wir nur 75 Minuten abrechnen können, ist die Behandlung ein Verlustgeschäft. Aber es geht nicht ums Geld. Es geht um die Patienten.»

«Der Vorteil dieser Substanzen ist, dass sie den Patientinnen und Patienten oft viel schneller Zugang zu zentralen Themen ermöglichen.»

Professor Daniele Zullino

In Genf wurden seit 2020 über 600 Patientinnen und Patienten mit LSD oder Psilocybin behandelt, insbesondere Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, Depressionen und Angst- oder Zwangsstörungen. Patienten, die oft schon von Arzt zu Arzt gerannt sind, bei denen keine andere Therapie geholfen hat. Und ihnen soll nun ausgerechnet LSD helfen? «Die Begleitforschung unseres Programms zeigt signifikante Verbesserungen bei den behandelten Patienten», sagt Professor Zullino.

Zwei Drittel der Anfragen für psychedelika-assistierte Therapie muss das Universitätsspital Genf ablehnen. Derzeit werden nur noch Patienten aus Genf angenommen.

«Es geht darum, den Prozess zu ermöglichen»

«Der Patient findet seinen eigenen Weg. Das ist das Kernelement der psychedelika-assistierten Therapie PAT.»

Dr. Markus Baumann

Baumann arbeitet immer zu zweit. «Das gibt Sicherheit. Für alle», sagt er. Sein Leitsatz hängt als Spruchband im Therapieraum: «Der richtig Reisende weiss nicht, wohin die Reise geht.» Das gelte auch für den Therapeuten. «Die Substanz allein heilt nicht», sagt er. «Entscheidend ist der Rahmen.» Und die Zeit danach. «Während der Sitzung greifen wir kaum ein», sagt der Arzt. Erst in den Tagen und Wochen danach wird das Erlebte gemeinsam besprochen. «Diese Integration ist zentral», betont Baumann. Auch bei ihm gibt es den Trip deshalb nur mit Psychotherapie. Ähnliche Ansätze verfolgen komplementäre Therapieformen wie die Gestalttherapie, bei denen Erlebnisse nachbearbeitet und in den Alltag übertragen werden.

Eine interdis­ziplinäre Therapie, wie die Komple­men­tär­medizin

Die PAT steht in der Schweiz an einem Wendepunkt. Die Forschung wächst. Die Nachfrage steigt. Gleichzeitig bleiben Fragen offen, etwa zur Ausbildung der Therapeutinnen und Therapeuten, zu Finanzierung und Regulierung. Markus Baumann blickt optimistisch nach vorn, der Therapie mit Psychedelika sagt er eine «strahlende Zukunft» voraus. Auch zur Behandlung von somatischen Erkrankungen. «Es ist eine interdisziplinäre Therapie. Wo die Grenzen sind, ist noch nicht klar.» Da scheinen wieder Parallelen zur Komplementärmedizin auf: Auch sie bringt sich interdisziplinär in die Gesundheitsversorgung ein, auch bei ihr ist noch viel Forschung nötig, auch ihre Möglichkeiten und Grenzen sind noch nicht klar ausgelotet.

«Die Therapie muss legal, sicher und wissenschaftlich fundiert sein.»

Professor Daniele Zullino

Daniele Zullino (im Bild) sieht die Zukunft der PAT ebenfalls positiv – wenn die richtigen Strukturen geschaffen werden: «Die Therapie muss legal, sicher und wissenschaftlich fundiert sein. Es braucht ausgebildete Therapeutinnen, rechtlich klare Abläufe und die sichere Integration in den Alltag der Patienten.»



Denken Sie, die Medizin sollte auch unkonventionelle Wege gehen, wie mit der Erforschung von Psychedelika – wenn Patientinnen und Patienten davon profitieren?

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